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Königsklasse Baryt Foto Papier

Die alten Meister kannten nichts anderes und auch in der  Gegenwart gibt es keine Alternative für edle Vergrößerungen. Wir sprechen vom Barytpapier. Eine haptisch ansprechende Kartonage, eine Bariumsulfatschicht für reine Weißen und abschließend eine dem Geschmack passende Fotoemulsion sind die Zutaten für ein Papier, auf dem seit Jahrzenten vergrößert wird und, obschon diese Sorte Papier schon lange auf dem Markt existent ist, von Mythen heimgesucht wird.

Begibt sich der noch junge Printer im Internet auf die Suche nach Tipps und Anhaltspunkten rund um das Edelpapier, verliert er sich in den Massen von Anleitungen, die in ihrer Gesamtheit mehr verwirrend sind als behilflich. Und dabei ist der Umgang mit Barytpapier doch recht einfach und mit ein wenig Übung nicht schwieriger als der Umgang mit kunststoffversiegeltem (PE-) Papier.

Positive Eigenschaften in und außerhalb der Dunkelkammer

Es heißt, dass auf Baryt vergrößerte Bilder langzeitstabil und archivsicher sind. Das stimmt natürlich nur bedingt. Eine genaue Verarbeitungsweise muss eingehalten werden, damit diese Eigenschaft auch als Gegeben statuiert werden kann.

Im Vergleich zu Kunststoffbeschichtetem PE-Papier fehlt dem Barytpapier eben diese Polyethylenschicht. Chemikalien dringen in den Träger ein und müssen wieder herausgewaschen werden. Beim PE-Papier passiert dies nicht: die Chemikalien werden kurz abgespült und das Foto ist fertig. Allerdings diffundieren die Weichmacher der Kunststoffschicht mit den Jahren aus und das Papier kann spröde werden. Ebenfalls können hinter Glas ausdiffundierte Titanoxide das Bildsilber beim PE-Papier angreifen und verändern.

Beim Barytpapier kann dies aufgrund der fehlenden Kunststoffschicht nicht passieren. Und nach einer längeren Wässerung, die nicht so lange dauern muss wie an vielen Stellen im Internet und in der (alten) Literatur behauptet wird, hält man anschließend einen haptisch edlen Print in der Hand, der die eigene restliche Lebenszeit mit Sicherheit überdauern wird.

Eine weitere persönlich positive Eigenschaft ist die wärmere Tonalität der Barytpapiere im Vergleich du den schwesterlichen PE-Papieren.  Ein Adox MCC Barytpapier ist im gleichen Papierentwickler leicht wärmer als das MCP PE-Schwesterpapier. Zudem reagieren Barytpapiere wesentlich besser auf eine Selentonung, die bei PE-Papieren recht schnell in einen violetten Ton umschlägt und Barytpapiere, bei gleicher Tonungsdauer, zunächst lediglich kälter im Ton erscheinen lässt.

Einfache Baryt Verarbeitung in der Dunkelkammer

Trotz dieser positiven Eigenschaften ist eine im folgenden beschriebene Verarbeitungsabfolge einzuhalten. Diese unterscheidet sich nur unwesentlich von der PE-Papier Verarbeitung und sei daher dem Anwender empfohlen, wenngleich ein kreatives Abweichen wo möglich kein Problem darstellt.

Barytpapiere sind in jedem erhältlichen Papierentwickler zu entwickeln. Es reicht, sich an die Herstellerangaben bezüglich der Verdünnung zu halten. Ebenfalls sollte die empfohlene Temperatur des Entwicklers und die Entwicklungszeit beachtet und eingehalten werden. Der erste Unterschied im Vergleich zum PE-Papier ist die etwas längere Entwicklungszeit. Alle Papiere sollten immer ausentwickelt werden. Lieber einen Print zu lange als zu kurz im Entwickler lassen, damit sich die Schwärzen ausentwickeln können. Kommen die Schwärzen zu flau, ist an der Belichtungszeit und dem Kontrast zu arbeiten und nicht an der Entwicklungszeit (oder gar Verdünnung).

Es ist zu Beginn der Dunkelkammerarbeit reichlich Entwickler anzusetzen. Barytpapier ist oft leicht gewölbt und reichlich Entwickler in der Schale garantiert,  dass das Papier sofort nach dem Einlegen mit Entwickler vollständig umspült wird. Die Schale ist während der gesamten Entwicklung  leicht zu bewegen, damit alle Stellen der Emulsion mit frischem Entwickler umspült werden. Jetzt, wenn das Papier sich mit Entwickler aufgesogen hat, ist das Papier empfindlich gegenüber unsachgemäßen Handhabungen. Nach dem Ablauf der Entwicklungszeit ist das Papier vorsichtig mit der Papierzange an einer Ecke aus dem Entwicklerbad zu ziehen. Das Papier lässt man abtropfen und legt es anschließend ebenfalls vorsichtig in das Stoppbad. Nach wenigen Sekunden ist ein weiterer Badwechsel angesagt. Das Papier wird in das Fixierbad gelegt.

Damit die Wässerungszeit sehr kurz gehalten werden kann, ist der Fixierer recht fett anzusetzen. Ein alkalischer Schnellfixierer ist in einer Verdünnung von 1+3 oder 1+4 anzusetzen. Moderne Papiere sind binnen 30 bis 60 Sekunden vollständig ausfixiert. Bei dieser kurzen Fixierzeit hat der Fixierer keine Chance tief in den Träger einzudringen. Folglich benötigt das Papier auch keine extrem lange Wässerungszeit.

Wässerung von Baryt Foto Papier

Nach der Fixierung wird der Print kurz mit fließendem  Wasser beidseitig vorsichtig abgespült und in eine Schale gefüllt mit Wasser gelegt. Die Schale wird wie gewohnt acht mal langsam geschwenkt. Anschließend wird das Wasser, dessen Temperatur über 15°C liegen sollte, gegen frisches Wasser getauscht. Diese ganze Prozedur wird mindestens sechs mal wiederholt.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der verwendet nach dem ersten Wasserbad eine Wässerungshilfe. Entweder ist ein Produkt aus dem Handel nach Anleitung anzusetzen, oder man gibt eine Filmdose gefüllt mit Soda der Schale, die mit ca. 2-3 Liter Wasser gefüllt ist, hinzu. Ein Soda Bad wurde von Agfa als Auswässerungshilfe empfohlen. Soda lässt den Papierträger aufquellen. Folglich werden Fixierreste schneller ausgewaschen. Andere Bäder setzen auf schnelleren Ionenaustausch mittels Natriumsulfit und beschleunigen die Wässerung ebenfalls sehr effektiv. Nach dem Sodabad, dass nicht mehr als zwei Minuten dauern sollte, ist die Schlusswässerung mit halbierter Zeit fortzuführen.

Noch bequemer ist die Wässerung in einem Barytpapier Wascher. Diese Gerätschaften waschen mehrere Prints gleichzeitig in getrennten Kammern aus. Auch hier reicht ein kurzes Bad in fließendem Wasser von ca. 5 Minuten, eine Behandlung in einer Wässerungshilfe von ca. 2-3 Minuten und eine Schlusswässerung von ca. 10 bis 15 Minuten vollkommen aus.

Ich persönlich verwende keinen Wässerungsbeschleuniger mehr. Nach ca. 15 bis 25 Minuten Aufenthalt im Wascher sind meine Prints archivfest ausgewässert. Tests, womit ich den Restgehalt an Thiosulfat (< 5mg pro m²) nachgewiesen habe, bestätigten mir dies.

Nach der Wässerung ist der Print auf einen glatten Gegenstand zu legen. Ich quetsche den Print mittels Roller ab, lasse den Print vortrocknen und lege diesen anschließend auf Fliegengitter, wo er ca. 12 Stunden trocknet.

Planlage

Der jetzt wellige Print ist recht einfach sehr plan zu bekommen: Dieser wird zwischen zwei Passepartoutkartons in einer Heiß- oder Aufziehpresse bei 100° 5 Minuten erhitzt. Die Presse wird abgestellt und der Print wird erst dann herausgenommen, wenn die Presse abgekühlt ist. Dabei sollte der Print noch eine geringe Restfeuchte enthalten.

Der Umgang mit Barytpapier ist keine Zauberei sondern recht einfach. Probieren Sie es einmal aus. Die Haptik eines solchen Abzugs ist nach wie vor einzigartig. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei Ihrer nächsten Dunkelkammer Sitzung!

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Barytverarbeitung