Es gab in der Vergangenheit Diskussionen, die völlig überflüssig waren und mich persönlich nie ernsthaft interessierten. Sicherlich, ich nutze für schnelle Pressearbeiten auch eine digitale SLR, nämlich die nun recht altbackene Canon EOS5DII. 

Mein ästhetischer Anspruch befriedigt allerdings nur Film, denn das obligatorische Filmkorn, gepaart mit der Leuchtkraft der Farben, kann digital auch mit einer Filmemulation per Plugin nicht wirklich erreicht werden.

Was ist aber dran am Vergleich der beiden Welten? Welche Auflösungen werden im 35mm Bereich erzielt? Wie sehen Farben im Direktvergleich aus? Taugen die JPEG Dateien „out of cam“? Über Pfingsten zog ich mit meinem Sohn los, ausgestattet mit den drei o.g. Kameras und jeweils einem 35mm Canon EF35 1:2,0 IS und Leica Summicron ASPH 2.0 Objektiv. 

Die beiden digitalen Gehäuse standen auf Raw+JPG, der Portra 160 wurde auf 100 ASA belichtet. Gemessen wurde extern mit einem Gossen Belichtungsmesser. Vorweg: Die ermittelte Belichtung wich digital um gut ⅔ Blenden ab. Da die M240 erst bei 200 ASA startet, waren die Bilder trotz Einsatz des externen Belichtungsmesser mit einer Blende Korrektur auf 200 ASA heller als die Canon Aufnahmen mit gleichen Werten.

Egal, denn ich bin weder ein Freund von Messcharts, noch fotografiere ich Testtafeln ab oder stehe ausgestattet mit einer Lupe vor großen Gallerieprints und suche nach dem defekten Pixel. Diesen Vergleich unternahm ich aus rein privaten Interessen, wurde aber gebeten dennoch diesen Blogartikel zu schreiben. Ein wissenschaftlicher Test stellt dieser Artikel nicht dar 🙂

Leica M7 + Portra 160, Frontier Scan

Leica M240 – DNG aus dem Raw Converter

Canon 5DII – Datei aus dem RAW Converter

Erstaunlich war das Ergebnis: Im Lab scannte ich den Portra 160 auf der Frontier in unserer XL Auflösung (ca. 20 MPixel). Trotz des fehlenden Tiefpassfilters bei der Leica M240 entsprach der Detailgrad der Bilder denen der Canon 5DII, wenngleich diese knapp 4MPixel weniger auflöste. Details in der Ferne gab die Leica M240 etwas, aber wirklich nur etwas klarer wider. Im Film mischten sich Ferndetails mit Filmkorn. Im direkten Vergleich wirken die digitalen Dateien etwas detailreicher. Zu sehen sind diese Unterschiede allerdings nur in der 100 und 200% Ansicht. Das entspricht einem Abzug von über einem Meter Durchmesser und einem Betrachtungsabstand von ca. 5cm, was absolut zu vernachlässigen ist und nichts mit einer Bildaussage zu tun hat. Im Nahbereich nahmen sich alle drei Medien bezüglich Auflösung nichts: Details und Schärfe sind auf sehr hohem Niveau.

Krasser Unterschied: Der Weißabgleich

Während Canon Dateien typisch japanisch kühl abgestimmt sind, ist der Leica M240 Weißabgleich deutlich wärmer. Dominieren Grüntöne, ist der Gelbanteil bei den Leica M240 Bildern zu hoch und im Raw Konverter ist die Farbtemperatur zu reduzieren. Da ich in den Abendstunden kurz vor Sonnenuntergang fotografierte, sind die Leica M240 und die Aufnahmen auf Film stimmiger als die Bilder aus der Canon, die die jeweilige Situation zu kühl widergeben.

RAW vs. JPG

Ein gewaltiger Unterschied zwischen Canon und Leica ist die JPG Datei out of cam. Bei Canon ist dies JPG Datei nahezu unbrauchbar, da feine Details, trotz gewählter höchster JPG Auflösung, völlig zumatscht. Da der Weißabgleich bei der Leica M240 allerdings keine wirkliche Konstante aufweist, empfehle ich bei diesem System auch die Verwendung vom DNG Rawformat, da der Abgleich oft im RAW Converter manuell angepasst werden muss.

Bild und 100% Ausschnit: Leica M7 + Portra 160

Leica M240

Canon 5DII

Völlig sorgenfrei gestaltet sich die Aufnahme auf Film: Die JPG Datei, gefiltert auf der Frontier, ist sofort ohne eine weitere Bearbeitung zu verwenden. Details und Schärfe werden vom 35mm Portra Film exzellent verarbeitet, wenngleich Details in der Ferne digital etwas feiner aufgelöst widergegeben werden.

Fazit: Nichts Neues in der Welt der Fotografie außer viel Marketing um ach so hochauflösende Sensoren. 

Leica M7 + Kodak Portra 160

Leica M240

Canon 5DII

Alle Aufnahmen stammen von den jeweiligen RAW Dateien und wurden nicht bearbeitet, lediglich für diese Webseite in JPG konvertiert. Ein Post-Prozess ist allerdings unerlässlich. Lediglich der Scan stammt direkt aus der Frontier.

Dennoch: Mit allen drei Werkzeugen schafft ein guter Fotograf qualitativ hochwertige Bilder zu fotografieren 🙂

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