Die Leica M11 und die Leica M11 Monochrom verbinden das klassische Messsucherkonzept mit einem hochauflösenden Sensor und einem mechanischen sowie elektronischen Verschluss. Diese Kombination ermöglicht eine sehr hohe Detailwiedergabe, verlangt bei Aufnahmen aus der Hand aber auch eine entsprechend sorgfältige Aufnahmetechnik.
Bei meiner eigenen Leica M11 und M11 Monochrom beobachte ich gelegentlich leicht unscharfe Aufnahmen bei Belichtungszeiten, die ich mit analogen oder älteren digitalen M-Kameras meist problemlos verwenden konnte. Besonders aufgefallen ist mir dies ungefähr im Bereich zwischen 1/30 und 1/125 Sekunde. Dabei handelt es sich zunächst um meine persönliche Praxiserfahrung und nicht um den Nachweis eines allgemein auftretenden technischen Fehlers.
Auch in Foren und Erfahrungsberichten beschreiben einzelne Nutzer ähnliche Beobachtungen. Solche Berichte können Hinweise auf ein Verhalten unter bestimmten Aufnahmebedingungen geben, ersetzen jedoch keine kontrollierte technische Untersuchung und erlauben keine Aussage darüber, wie häufig das Phänomen tatsächlich auftritt.
Dieser Artikel erläutert deshalb nicht einen nachgewiesenen Serienfehler, sondern mögliche technische und fotografische Ursachen leichter Bewegungsunschärfen. Dazu gehören die hohe Sensorauflösung, die fehlende kamerainterne Bildstabilisierung, die individuelle Kamerahaltung, die Auslöseverzögerung, mechanische Verschlussbewegungen und die Besonderheiten des elektronischen Verschlusses.
Warum kleine Verwacklungen bei der M11 deutlich sichtbar werden können
Die Leica M11 besitzt einen Vollformatsensor mit 9528 × 6328 Bildpunkten, entsprechend rund 60,3 Megapixeln. Leica gibt einen Pixelabstand von etwa 3,76 µm an. Die Kamera kann DNG- und JPEG-Dateien mit 60, 36 oder 18 Megapixeln speichern; nach Herstellerangaben wird dabei unabhängig von der gewählten Auflösung die gesamte Sensorfläche verwendet.
Die hohe Auflösung verursacht keine Verwacklung. Sie kann jedoch sehr kleine Bewegungsunschärfen deutlicher sichtbar machen, insbesondere bei einer Betrachtung in der 100-Prozent-Ansicht. Ein Bild, das bei üblicher Ausgabegröße scharf erscheint, kann bei starker Vergrößerung bereits eine geringe Richtungsunschärfe erkennen lassen.
Dabei ist ein wichtiger Vergleichsfehler zu vermeiden: Eine 100-Prozent-Ansicht zeigt bei einer 60-Megapixel-Datei einen wesentlich kleineren Bildausschnitt und damit eine stärkere effektive Vergrößerung als bei einer Datei mit 24 oder 40 Megapixeln. Für einen fairen Vergleich müssen die Bilder auf dieselbe Ausgabegröße gebracht werden.
Die hohe Pixelzahl macht Verwacklungen daher nicht zwangsläufig stärker. Sie macht deren Erkennung bei starker Vergrößerung lediglich leichter.
Der Verschlussablauf der Leica M11
Die Leica M11 misst das durch das Objektiv einfallende Licht über den Bildsensor. Im Bereitschaftszustand ist der mechanische Verschluss deshalb geöffnet. Wird eine Aufnahme mit mechanischem Verschluss ausgelöst, muss der Verschluss zunächst schließen, bevor der eigentliche Belichtungsablauf beginnen kann.
Vereinfacht dargestellt geschieht Folgendes:
- Der Verschluss ist für Belichtungsmessung und Live-View-Funktionen geöffnet.
- Nach dem Auslösen schließt er zunächst.
- Anschließend beginnt die eigentliche Belichtung durch das Ablaufen der Verschlussvorhänge.
- Nach der Aufnahme wird der Verschluss wieder in den für die sensorbasierte Messung erforderlichen geöffneten Zustand versetzt.
Dieser Ablauf unterscheidet sich von älteren digitalen M-Modellen, die außerhalb des Live-View-Betriebs mit geschlossenem Verschluss aufnahmebereit sein konnten.
Die Bewegung der Verschlussvorhänge erzeugt zwangsläufig mechanische Kräfte. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass diese Kräfte bei der Leica M11 regelmäßig sichtbare Verwacklungen hervorrufen. Ob eine mechanische Schwingung tatsächlich im Bild erkennbar wird, hängt unter anderem von der Belichtungszeit, der Brennweite, der Kamerahaltung, dem Gewicht des Objektivs, der Auflösung, der Ausgabegröße und der individuellen Auslösetechnik ab.
Für die Behauptung, dass bei jeder Leica M11 ein klar definierter Bereich zwischen beispielsweise 1/60 und 1/180 Sekunde von konstruktionsbedingtem Shutter Shock betroffen sei, liegt mir kein belastbarer allgemeiner Nachweis vor. Ein solcher Zeitbereich kann daher nur als individuelle Beobachtung oder als Ergebnis eines konkreten Tests bezeichnet werden.
Shutter Lag bei der Leica M11
Als Shutter Lag wird die Zeit zwischen dem Betätigen des Auslösers und dem tatsächlichen Beginn der Aufnahme bezeichnet.
In einem bei Macfilos veröffentlichten Bericht werden Messungen von Sean Reid wiedergegeben, nach denen die Auslöseverzögerung der Leica M11 ungefähr 64 Millisekunden und diejenige der Leica M10-R ungefähr 47 Millisekunden betragen soll. Daraus ergibt sich ein Unterschied von rund 17 Millisekunden. Diese Werte stammen nicht aus den technischen Daten von Leica und sollten deshalb als externe Messergebnisse bezeichnet werden, nicht als Herstellerangaben.
Für viele Motive dürfte ein Unterschied dieser Größenordnung praktisch kaum relevant sein. Bei bewegten Motiven oder bei Aufnahmen, die ein sehr präzises Timing verlangen, kann eine etwas längere Verzögerung dennoch eine Rolle spielen.
Denkbar ist außerdem, dass eine bereits unmittelbar nach dem Auslösen begonnene Bewegung der Kamera noch vor dem tatsächlichen Belichtungsbeginn wirksam wird. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Fotografen die M11 typischerweise „zu früh absenken“ oder dass die gemessene Auslöseverzögerung generell Verwacklungen verursacht.
Shutter Lag und Shutter Shock sind unterschiedliche Phänomene:
Shutter Lag bezeichnet die zeitliche Verzögerung vor dem Beginn der Aufnahme.
Shutter Shock bezeichnet eine mögliche mechanische Erschütterung durch den Verschlussablauf.
Ein unscharfes Bild allein erlaubt noch keine sichere Unterscheidung zwischen diesen Ursachen. Ebenso infrage kommen eine zu lange Belichtungszeit, Motivbewegung, eine Bewegung beim Durchdrücken des Auslösers, ein Fokusfehler oder eine unzureichende Stabilisierung der Kamera.
Ohne Zoom-In sehen die meisten Bilder scharf aus… (Die Blendenangabe ist falsch, es handelt sich um f8).
… in der 100% Ansicht sieht man deutlich die fehlende Schärfe.
Elektronischer Verschluss und Rolling Shutter
Die Leica M11 besitzt neben dem mechanischen Verschluss einen vollständig elektronischen Verschluss. Laut Leica stehen damit Belichtungszeiten bis 1/16000 Sekunde zur Verfügung.
Beim elektronischen Verschluss bewegen sich während der Aufnahme keine mechanischen Verschlussvorhänge. Eine mögliche Erschütterung durch den mechanischen Verschluss wird deshalb vermieden. Für statische Motive kann der elektronische Verschluss somit durchaus eine sinnvolle Möglichkeit sein, mechanisch verursachte Einflüsse auszuschließen.
Der Sensor wird dabei jedoch nicht über seine gesamte Fläche exakt gleichzeitig ausgelesen. Die Bildinformationen werden zeitlich versetzt zeilenweise erfasst. Dieses Verfahren wird als Rolling Shutter bezeichnet.
Externe Praxismessungen und Erfahrungsberichte schätzen die vollständige Auslesezeit der M11 im elektronischen Verschlussmodus auf ungefähr eine Zehntelsekunde. Leica selbst nennt in den technischen Daten keine entsprechende Sensor-Auslesezeit. Der Wert von etwa 100 Millisekunden sollte daher als externe Messung beziehungsweise Näherung und nicht als offizielle Herstellerangabe bezeichnet werden.
Auch bei einer eingestellten Belichtungszeit von beispielsweise 1/4000 oder 1/16000 Sekunde werden die verschiedenen Bildzeilen nicht alle zum exakt selben Zeitpunkt aufgenommen. Bewegt sich während der Sensorauslesung das Motiv oder wird die Kamera deutlich geschwenkt, können senkrechte Linien schräg erscheinen oder bewegte Gegenstände geometrisch verzerrt werden.
Die kurze eingestellte Belichtungszeit bestimmt weiterhin, wie lange eine einzelne Bildzeile belichtet wird. Die längere Gesamtauslese bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Aufnahme wie bei einer Belichtungszeit von 1/10 Sekunde verwischt. Sie bedeutet vielmehr, dass unterschiedliche Bildbereiche zu leicht unterschiedlichen Zeitpunkten erfasst werden.
Rolling Shutter äußert sich daher typischerweise als geometrische Verzerrung und nicht zwangsläufig als gleichmäßige Bewegungsunschärfe des gesamten Bildes.
Elektronischer Verschluss bei Aufnahmen aus der Hand
Der elektronische Verschluss kann bei statischen Motiven helfen, weil er die mechanische Verschlussbewegung während der Aufnahme vermeidet. Er ist deshalb nicht grundsätzlich ungeeignet, um einer möglichen mechanischen Erschütterung auszuweichen.
Seine Grenzen liegen vor allem bei:
- schnellen Motivbewegungen,
- raschen Kameraschwenks,
- rotierenden Gegenständen,
- bestimmten künstlichen Lichtquellen,
- flackernden LED- oder Leuchtstofflampen.
Unter pulsierendem Kunstlicht können einzelne Bildzeilen während unterschiedlicher Helligkeitsphasen erfasst werden. Dadurch können horizontale Streifen oder Helligkeitsunterschiede entstehen. Ob dies auftritt, hängt von der Frequenz und Ansteuerung der Lichtquelle, der Belichtungszeit und der Sensorauslesung ab. Ein elektronischer Verschluss ist unter Kunstlicht daher nicht generell unbrauchbar, kann dort aber eher zu Banding führen als ein mechanischer Verschluss.
Für statische Motive bei gleichmäßigem Tageslicht ist der elektronische Verschluss der M11 dagegen häufig gut einsetzbar. Für schnelle Bewegungen und kritische künstliche Beleuchtung ist der mechanische Verschluss meist die verlässlichere Wahl.
Würde ein elektronischer erster Verschlussvorhang helfen?
Die Leica M11 bietet keinen EFCS-Modus, also keinen Electronic First Curtain Shutter.
Bei EFCS beginnt die Belichtung elektronisch und endet durch einen mechanischen Verschlussvorhang. Dadurch entfällt die Bewegung des ersten mechanischen Vorhangs unmittelbar vor oder zu Beginn der Belichtung. Bei Kameras, die einen solchen Modus anbieten, kann dies verschlussbedingte Schwingungen reduzieren.
Ein EFCS-Modus könnte daher theoretisch auch bei einer M-Kamera Vorteile bieten. Ob und wie Leica eine solche Funktion konstruktiv umsetzen könnte, lässt sich von außen jedoch nicht beurteilen.
EFCS ist zudem nicht frei von Nachteilen. Bei sehr kurzen Belichtungszeiten und lichtstarken Objektiven können je nach Kamerakonstruktion ungleichmäßige Belichtungen oder Veränderungen der Unschärfedarstellung auftreten. Die Aussage, EFCS wäre in jeder Situation die eindeutig beste Lösung, wäre daher zu pauschal.
Als Wunsch für eine zukünftige Kamera wäre ein optionaler EFCS-Modus dennoch interessant: Er könnte eine zusätzliche Wahlmöglichkeit zwischen vollständig mechanischem und vollständig elektronischem Verschluss bieten.
Nutzerberichte richtig einordnen
In Fotoforen finden sich Berichte über leicht unscharfe Aufnahmen mit der Leica M11, teilweise auch bei Belichtungszeiten um 1/125 oder 1/180 Sekunde. Andere Nutzer berichten dagegen nicht von vergleichbaren Problemen oder erzielen mit denselben Zeiten zuverlässig scharfe Ergebnisse.
Solche Berichte zeigen, dass das Thema für einzelne Fotografen praktisch relevant sein kann. Sie beweisen jedoch weder einen generellen Konstruktionsfehler noch eine bestimmte Häufigkeit.
Auch ein vermeintliches Muster innerhalb einer Bildserie – beispielsweise ein unscharfes erstes und ein schärferes zweites Bild – ist für sich genommen kein technischer Nachweis von Shutter Shock. Möglich wären ebenso Unterschiede in der Kamerahaltung, im Auslösevorgang, in der Motivbewegung oder in der Fokussierung.
Eine belastbare Prüfung müsste unter kontrollierten Bedingungen erfolgen:
- identisches statisches Motiv,
- feste Fokussierung,
- stabile Kameraposition,
- mehrere Wiederholungen pro Belichtungszeit,
- Vergleich zwischen mechanischem und elektronischem Verschluss,
- identische Entwicklung und Schärfung,
- Auswertung bei gleicher Ausgabegröße.
Erst ein solcher Vergleich könnte Hinweise darauf geben, ob ein reproduzierbarer mechanischer Einfluss vorliegt.
Leica M11 Monochrom
Die Leica M11 Monochrom besitzt ebenfalls einen Vollformatsensor mit ungefähr 60 Megapixeln und einem Pixelabstand von 3,76 µm. Sie verwendet dasselbe grundsätzliche Bedien- und Verschlusskonzept wie die M11.
Daraus lässt sich ableiten, dass auch bei ihr geringe Bewegungsunschärfen in der starken Vergrößerung deutlich sichtbar werden können. Nicht korrekt wäre jedoch die pauschale Behauptung, Microshake müsse bei beiden Modellen „in genau derselben Form“ auftreten.
Die Sensoren unterscheiden sich unter anderem durch den fehlenden Farbfilter der Monochrom. Auch Fertigungstoleranzen, Gehäuseausführung, Objektiv, Kamerahaltung und Verarbeitung können die praktische Wahrnehmung beeinflussen.
Aus meiner eigenen Nutzung kenne ich ähnliche leichte Unschärfen bei beiden Modellen. Dies ist eine persönliche Erfahrung und keine Aussage über alle Kameras dieser Baureihen.
Microshake, Verwacklung, Shutter Shock und Rolling Shutter
Die Begriffe werden häufig vermischt, beschreiben aber unterschiedliche Erscheinungen.
Verwacklung
Eine Bewegungsunschärfe, die durch eine Bewegung der Kamera während der eigentlichen Belichtung entsteht. Sie hängt vor allem von Belichtungszeit, Brennweite, Haltung und Bewegung der Kamera ab.
Microshake
Kein einheitlich normierter technischer Begriff. In der fotografischen Praxis wird damit meist eine sehr geringe Bewegungsunschärfe bezeichnet, die erst bei starker Vergrößerung sichtbar wird. Ihre Ursache kann in der Handhaltung, im Auslösevorgang, in einer mechanischen Schwingung oder in einer Kombination mehrerer Einflüsse liegen.
Shutter Shock
Eine mechanisch verursachte Schwingung durch den Ablauf des Verschlusses. Ob sie auf einer konkreten Aufnahme sichtbar wird, hängt von Kamera, Objektiv, Belichtungszeit, Aufnahmesituation und Stabilisierung ab.
Shutter Lag
Die Zeitspanne zwischen Betätigung des Auslösers und Beginn der Aufnahme. Eine längere Auslöseverzögerung ist nicht mit einer mechanischen Erschütterung gleichzusetzen.
Rolling Shutter
Eine zeitlich versetzte Erfassung verschiedener Sensorzeilen. Bei Bewegung können dadurch geometrische Verzerrungen entstehen. Ein Rolling-Shutter-Effekt ist besonders beim elektronischen Verschluss relevant, ein zeitlich wandernder Belichtungsschlitz existiert prinzipiell aber auch beim mechanischen Schlitzverschluss.
Gibt es einen kritischen Zeitenbereich?
Aus meiner persönlichen Erfahrung treten leichte Unschärfen bei der M11 vor allem ungefähr zwischen 1/30 und 1/125 Sekunde auf. Andere Fotografen können zu anderen Ergebnissen kommen.
Ein allgemeingültiger kritischer Bereich lässt sich daraus nicht ableiten. Die Grenze hängt unter anderem ab von:
- Brennweite,
- Gewicht und Schwerpunkt des Objektivs,
- Aufnahmetechnik,
- körperlicher Ruhe,
- Vergrößerungsmaßstab,
- Ausgabegröße,
- Motivbewegung,
- Entfernung,
- gewünschter Detailauflösung.
Die klassische Faustregel von ungefähr 1/Brennweite stammt aus einer Zeit geringerer Auflösungen und typischer Betrachtungsgrößen. Sie ist keine Garantie für scharfe Bilder.
Wer die Detailleistung eines 60-Megapixel-Sensors möglichst vollständig nutzen möchte, sollte häufig kürzere Zeiten wählen. Eine pauschale Formel wie 1/(2 × Brennweite) oder 1/(4 × Brennweite) kann als konservativer Ausgangspunkt dienen, ist aber keine technische Notwendigkeit und keine Garantie.
Für meine eigene Arbeitsweise haben sich ungefähr folgende Bereiche bewährt:
- 28 mm: möglichst 1/125 Sekunde oder kürzer,
- 35 mm: möglichst 1/160 bis 1/250 Sekunde,
- 50 mm: möglichst 1/250 Sekunde oder kürzer.
Diese Werte sind persönliche Praxisempfehlungen. Je nach Fotograf, Motiv und gewünschter Ausgabegröße können deutlich längere Zeiten ebenfalls zu scharfen Ergebnissen führen.
Praktische Empfehlungen
Kamera ruhig halten
Die Kamera mit beiden Händen stabilisieren, die Ellbogen möglichst am Körper halten und den Auslöser kontrolliert betätigen. Nach dem Auslösen sollte die Haltung noch einen kurzen Moment beibehalten werden.
Kürzere Belichtungszeiten wählen
Wer bei 60 Megapixeln eine sehr hohe Detailauflösung erwartet, sollte die automatische Mindestverschlusszeit eher konservativ einstellen. Eine etwas höhere ISO-Empfindlichkeit ist häufig weniger störend als eine nicht mehr korrigierbare Bewegungsunschärfe.
Mehrere Aufnahmen anfertigen
Bei wichtigen Motiven kann eine kurze Serie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, wenigstens eine optimal ruhige Aufnahme zu erhalten. Es gibt jedoch keine allgemeine Regel, nach der stets das zweite oder mittlere Bild das schärfste sein muss.
Mechanischen und elektronischen Verschluss vergleichen
Bei einem statischen Motiv und gleichmäßigem Licht kann ein Vergleich zeigen, ob die eigene Unschärfe möglicherweise mit dem mechanischen Verschlussablauf zusammenhängt.
Ist das Bild mit elektronischem Verschluss wiederholt schärfer, kann dies ein Hinweis auf einen mechanischen oder auslösetechnischen Einfluss sein. Es ist aber noch kein abschließender Beweis für einen technischen Fehler.
Elektronischen Verschluss gezielt einsetzen
Der elektronische Verschluss eignet sich besonders für statische oder langsam bewegte Motive bei konstantem Licht. Bei schnellen Bewegungen, Schwenks und problematischen künstlichen Lichtquellen sollte auf mögliche Verzerrungen und Banding geachtet werden.
Stativ oder feste Auflage verwenden
Eine stabile Auflage hilft, Verwacklung durch die Hand weitgehend auszuschließen. Ein Stativ garantiert allerdings nicht automatisch maximale Schärfe: Bodenerschütterungen, Wind, ein instabiler Kopf, das Betätigen des Auslösers oder Motivbewegung können weiterhin Einfluss haben. Selbstauslöser oder Fernauslösung können bei Vergleichstests sinnvoll sein.
Auflösung richtig bewerten
Die Wahl von 36 oder 18 Megapixeln verändert nicht die Bewegung der Kamera während der Aufnahme. Da Leica nach eigenen Angaben bei allen drei Auflösungen die gesamte Sensorfläche nutzt, werden die kleineren Dateien aus den Sensordaten erzeugt.
Eine geringere Dateiauflösung kann Verwacklung in der 100-Prozent-Ansicht weniger auffällig erscheinen lassen. Sie erhöht aber nicht automatisch die physikalische Verwacklungstoleranz bei gleicher Ausgabegröße.
Vergleich mit der Leica M10-R
Die Leica M10-R besitzt ebenfalls eine hohe Auflösung und kann geringe Aufnahmefehler sichtbar machen. Die M11 unterscheidet sich jedoch durch ihre permanente sensorbasierte Belichtungsmessung und den damit verbundenen Verschlussablauf vor einer mechanischen Aufnahme.
Externe Messungen deuten außerdem auf eine etwas längere Auslöseverzögerung der M11 hin. Ob diese Unterschiede in der Praxis zu mehr verwackelten Bildern führen, hängt vom Fotografen und der Aufnahmesituation ab und ist durch die genannten Messwerte allein nicht bewiesen.
Fazit
Leichte Unschärfen bei Aufnahmen mit der Leica M11 können verschiedene Ursachen haben. Die hohe Auflösung macht kleine Bewegungen bei starker Vergrößerung deutlich sichtbar. Hinzu kommen die fehlende kamerainterne Bildstabilisierung, die individuelle Auslösetechnik, die verwendete Brennweite, die Belichtungszeit und möglicherweise mechanische Einflüsse des Verschlussablaufs.
Aus Nutzerberichten und einzelnen unscharfen Bildern lässt sich jedoch kein genereller Defekt der Leica M11 ableiten. Ebenso wenig ist bisher allgemein belegt, dass ein bestimmter Belichtungszeitenbereich bei allen Kameras systematisch von Shutter Shock betroffen ist.
Der elektronische Verschluss vermeidet die mechanische Verschlussbewegung und kann bei statischen Motiven eine sinnvolle Alternative sein. Wegen der zeilenweisen Sensorauslesung kann er bei schnellen Bewegungen oder bestimmten künstlichen Lichtquellen jedoch Rolling-Shutter-Verzerrungen beziehungsweise Banding erzeugen.
Für meine eigene Fotografie hat sich eine konservativere Wahl der Belichtungszeit bewährt. Ich halte die Kamera nach dem Auslösen bewusst ruhig, verwende bei wichtigen Motiven gelegentlich eine kurze Serie und setze den elektronischen Verschluss vor allem bei statischen Motiven und gleichmäßigem Licht ein.
Ein optionaler elektronischer erster Verschlussvorhang wäre aus Anwendersicht eine interessante Ergänzung für eine zukünftige Leica M. Ob eine solche Lösung technisch sinnvoll und mit dem Verschlusskonzept einer M-Kamera vereinbar wäre, kann letztlich nur der Hersteller beurteilen.
Hinweis zur Einordnung
Dieser Beitrag beschreibt persönliche Erfahrungen, öffentlich zugängliche technische Angaben und externe Messungen. Er stellt keine technische Begutachtung dar. Die beschriebenen Beobachtungen müssen nicht bei jeder Kamera oder unter allen Aufnahmebedingungen auftreten. Begriffe wie „Microshake“ werden hier beschreibend verwendet und bezeichnen keinen von Leica bestätigten Produktfehler.
Quellen und weiterführende Informationen
- Leica Camera AG: Bedienungsanleitung der Leica M11. Angaben zu mechanischem und elektronischem Verschluss sowie zu den verfügbaren Verschlusszeiten.
- Leica Camera AG: Technische Daten und Presseinformationen zur Leica M11. Angaben zu Sensorauflösung und Triple Resolution Technology.
- Leica Camera AG: Technische Daten der Leica M11 Monochrom. Angaben zu Auflösung und Pixelabstand.
- Macfilos: Praxistests und Berichte zur Leica M11 beziehungsweise M11 Monochrom. Wiedergabe externer Messungen zur Auslöseverzögerung sowie Einordnung des elektronischen Verschlusses.
- Diglloyd: Externe technische Betrachtung zur Sensor-Auslesezeit des elektronischen Verschlusses. Die dort genannten Werte sind keine offiziellen Leica-Herstellerangaben.
Übersicht des Shuttershake Bild: Scharf.
Erste Aufnahme bei 100%. Shuttershake.
Zweite Aufnahme: alles scharf.