Wie kann eine Stadt intuitiv erkundet werden? Dient dazu etwa ein fester Plan, der abgearbeitet wird? Ich denke, das jeder Fotograf im Vorfeld eine Reise im Kopf formt und geistig auslebt. Die Realität entpuppt sich gerne als Überraschungsindikator für Momente, die weder planbar noch erwartbar sind. Das macht eine Dokumentation spannend und erweitert das eigene Portfolio.

Berlin, unsere Großmetropole in Deutschland, lässt sich sicherlich nur mit den Jahren erkunden. Wobei das Erkunden nur eine Begleiterscheinung ist, denn eine Stadt entwickelt sich weiter. Orte und Plätze verändern sich und schaffen damit immer Platz für neue Sichtweisen. 

Lars schafft es mit seinem aktuellen Buch, „Ein Jahr in Berlin“, mich mit auf die Reise durch eine der interessantesten urbanen deutschen Landschaften zu nehmen. Kurze Geschichten von netten Menschen, Verlassenes und Belebtes setzt Lars fotografisch meisterhaft um. Die Aufteilung des Buches, das eher als großes Magazin zu betrachten ist, bietet einen Spannungsbogen, dem schwer zu widerstehen ist.

Die analoge Fotografie unterstreicht die Farbgebung der gezeigten Orte und Protagonisten. Das Korn wirkt klassisch und einfach nur schön. Ich bin davon überzeugt, dass das Fehlen eines Displays Lars intensiver in die Stadt und seine Geschichten eintauchen lies. Mit einer kleinen analogen, unauffälligen und unaufdringlichen Leica oder Canon ist Lars näher dran. Er widmet sich mehr der eigenen Idee, arbeitet langsamer und sorgt für einen emotionalen Abstand zu seinen eigenen Bildern, die systembedingt nicht sofort löschbar sind.

Ein Jahr Berlin“ überzeugt inhaltlich, gestalterisch und auch die Haptik des Drucks ist gut. 

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