Bereits in der Mittagsstunde am Donnerstag, dem 13. August, erhielt ich von meinen Nachbarn aus Horm ein Foto mit der Nachricht, dass es brennen würde. Zunächst dachte ich anhand der Aufnahme, das Feuer müsse sich unmittelbar hinter Horm befinden. Zu sehen war allerdings nur eine große Rauchwolke, die über den Häusern meiner Nachbarn aufstieg.
Als ich wenig später im Betrieb in der Broichstraße in Gey aus dem Fenster schaute, wurde mir schlagartig klar, dass sich dort etwas weitaus Größeres anbahnte. Seit sieben Uhr morgens war ich im Labor bei der Arbeit gewesen. Ich machte Feierabend, programmierte jedoch noch die Maschinen für den nächsten Tag – zu diesem Zeitpunkt ging ich selbstverständlich davon aus, am Freitag ganz normal weiterarbeiten zu können.
Auf der Fahrt nach Hause sah ich dann die dichten Rauchwolken über dem Hürtgenwald, unmittelbar hinter Gey. Gefühlt wurde der Brand von Minute zu Minute breiter. Die Dimension ließ sich nun erstmals erahnen.
Mein erstes Foto entstand gegen 16 Uhr. Kaum zu Hause angekommen, schnappte ich mir die Canon mit einem Zoomobjektiv und fuhr mit dem Fahrrad zum Ortsausgang von Horm. Von dort hat man einen freien Blick hinüber zur Höhenlage oberhalb von Gey. Was zunächst nur wie eine Rauchwolke am Horizont gewirkt hatte, zeigte sich nun als ein sich rasch ausbreitender Waldbrand.
Mit dem Fahrrad fuhr ich über einen Feldweg nach Gey. Innerhalb der Ortschaft war der Blick auf den Waldbrand im Hürtgenwald extrem angst erfüllend.
Gegen Abend wuchst der Brand sichtlich in die Breite. Der in den Augen brennende Rauch verdeckte die Sonne. Das restliche Abendlicht verhüllte sich in ein tiefes und bedrückendes Orange.
Das obere Bild zeigt den Bodenbrand Nähe Honighecke.
Um Mitternacht machte ich erneut Fotos. Der Anblick war unbeschreiblich. Man kennt die Bilder und Videos der Waldbrände aus Frankreich, Spanien oder Griechenland – doch einem Feuer gegenüberzustehen, das nur wenige hundert Meter entfernt ist, ist etwas völlig anderes. Die Ausmaße, die der Brand zu diesem Zeitpunkt bereits erreicht hatte, lassen sich auf Fotos kaum wirklich wiedergeben.
Gegen vier Uhr morgens, nach nur wenigen Stunden unruhigen und wenig erholsamen Schlafes, ertönte lautstark die Warn-App auf meinem Handy. Binnen dreißig Sekunden war ich angezogen, schnappte mir mein Fahrrad und machte mich auf den Weg nach Gey. Keine zwei Minuten später war ich unterwegs. Die Ortschaft wurde evakuiert; der Brand rückte bedrohlich näher.
Wipfelbrände zeigen ein wahres Inferno. Die Flammen schossen weit über die Baumkronen empor. Die Mischung aus dem, was man sieht, riecht und hört, lässt sich mit Bildern allein nicht wiedergeben. Alleine der Blich vor der Kirche in Richtung Höhenlage war Horror.
Im Labor nahm ich schnell die Maschinen vom Netz, griff nach wichtigen Akten und nahm einige Festplatten mit Daten an mich. Anschließend verließ ich den Ort, wie alle anderen Bewohner auch, ruhig wieder in Richtung Horm.
Parallel dazu holte meine Frau meine Schwiegereltern ab. Für die folgenden 38 Stunden fanden sie bei uns in Horm Zuflucht.
Blick von Horm in Richtung Gey um kurz nach vier.
Der letzte Blick in Richtung des Waldbrandes über Gey nach der Rückfahrt in mein Heimatdorf kurz vor Sonnenaufgang.
Die Lage im Ort Straß an der Schule und im Vereinsheim kurz nach der Evakuierung war, trotz der angespannten Situation, ruhig. Die Behörden hatten alles im Griff.
Wenige Stunden nach Sonnenaufgang wurden Zufahrtsstraßen gesperrt. Die Presse sammelt sich rund um Horm.
Löschhubschrauber waren schnell im Einsatz.
Hydranten zur Betankung von Einsatzwagen (Feuerwehr, Tankwagen, landwirtschaftliche Wagen) wurden aktiviert.
Ab dem zweiten Tag vermischte sich die Rauchwolke des Hürtgenwald Brandes mit der Aschewolke aus dem gleichzeitigen Brand im Hohen Venn.