Was ist dran, am ewigen Vergleich analog-digital? Seit fast 20 Jahren erreichen mich wöchentlich Fragen, was denn nun besser ist. Ein Blick in die Datenblätter der digitalen Top Modelle offenbart es doch direkt: Bezüglich Auflösung ist digital besser, wenn im Vergleich die Sensorgröße ungefähr der Negativgröße entspricht. Ein Trommelscan eines Großformatnegativs bietet eine (noch) größere Pixeldichte, aber 50 Megapixel eines 35mm Sensors bietet kein Film auf dem Markt. Die philosophische Betrachtungsweise des bayerschen Interpolationsverfahren, das in der Praxis äußerst gut funktioniert, spare ich mir an dieser Stelle.

Dennoch: Pixel sind Pixel und begründen noch längst keine gute Bildidee und dessen Umsetzung. Ich bin kein Freund von Labortests, Analysen von Testcharts oder pure Aussagen über reine Pixeldichte.

Canon versus Leica versus Kodak Portra 160 35mm

Als praxisorientierter Mensch unternahm ich im letzten Sommer einen eigenen Vergleich, der meinen Anforderungen und Sehweisen entsprach und auf den ich bei Fragen bezüglich Auflösung oder „was ist besser“ nun Bezug nehmen werde.

Neben der oft erwähnten Pixelanzahl zählen für mich eher Fakten wie Farben, Tonwertdifferenzierung und der Zeitaufwand für ein Bild. 

Im Lab stehen mir permanent drei Kameras zur Verfügung: eine analoge Leica M7, eine Leica M240 und eine Canon EOS 5D MK-II. An einem Spätsommerabend unternahm ich den folgenden, für mich sehr interessanten Vergleich: ein Motiv, aufgenommen vom gleichen Standpunkt auf einem Stativ mit 50mm Objektiv (Sigma ART50 an der Canon, Summicron 50 an den Leicas), gleiche Blende und gleiche Zeit. Das Licht wurde extern mit einem Gossen Belichtungsmesser gemessen. Fokussiert wurde hyperfokal. 

Die digitalen RAW Bilder wurden mit Lightroom in jpg gewandelt, ohne Bearbeitung. Das analoge Bild nahm ich auf Kodak Portra 160 auf, den ich auf 100ASA belichtete, und mit meinem Frontier und den MFL Einstellungen ohne zusätzliche Bearbeitung scannte.

Das Bild vom Kodak Portra 160 überzeugt

Mir ist bewusst, dass ich nicht wissenschaftlich teste. Der hier gezeigte Vergleich ist dennoch interessant, da das analoge Bild nach wie vor meiner Erwartungshaltung entspricht. Von der M240, die ohne Tiefpassfilter daher kommt, hatte ich mir deutlich mehr versprochen. Im Vergleich zur EOS 5D MK-II, deren technische Entwicklung der der M240 ungefähr entspricht, ist ein Hauch mehr Schärfe in den Bildern zu erahnen, im direkten Unterschied aber nicht wirklich direkt zu sehen. Ich schiebe das aber eher auf die Abbildungsleistung des Excelenten Summicrons.

Der Portra 160 schlägt sich nach wie vor extrem gut. Farben und Tonwertdifferenzierung gefallen mir besser. Sicherlich sind die digitalen Bilder noch zu bearbeiten, damit das Ergebnis meiner bildnerischen Vorstellung entspricht. Analog spare ich mir aber diese Arbeitszeit, weil ich sofort ein Ergebnis erziele, dass meinen Vorstellungen entspricht und keiner weiteren Bearbeitung mehr bedarf. Die Detailauflösung des Portras überzeugt ebenfalls. Das in der 100% Ansicht deutlich sichtbare Korn ist ein Gestaltungsmerkmal, das der Detailauflösung nicht schadet. Ein weiterer, bislang ungeschlagener Vorteil von Film ist der große Dynamikumfang. Durch eine gezielte Überbelichtung erziele ich eine Schatten-Lichterzeichnung, die digital selbst mit aktuellen Sensoren bei weitem nicht erreicht wird.

Fazit: Für mich ist die analoge Fotografie einfacher und spart mir letztendlich sogar viel Arbeitszeit.

100% Ausschnitte aus den Dateien:

KodakPortra160
Leica M7
Kodak Portra 160
Summicron 50
Canon5DKMKII
Canon 5D MK-II

Sigma Art50

LeicaM240
Leica M240

Summicron 50

KodakPortra160-komplett
Kodak Portra 160
M240-groß
Leica M240

Peter Bongard formuliert analoge Fotografie in seinem Video treffend: „Das Fotografieren auf Film ist langsamer, bedächtiger, einfacher“.

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